Literaturanalyse

Rhetorische Figuren und Tropen

Tropus/Trope/Tropen
  • Bezeichnung für ein sprachliches Ausdrucksmittel der uneigentlichen Rede
  • sind Wörter oder Wendungen, die nicht im eigentlichen Sinne, sondern in einem übertragenen, bildlichen gebraucht werden
Rhetorische Figuren
  • Stilfiguren zur Verdeutlichung, Veranschaulichung, Verlebendigung oder Ausschmückung einer sprachlichen Aussage durch syntaktische Besonderheiten, ohne wesenhafte Änderung des gemeinten eigentlichen Wortlautes

Figuren der Wiederholung

Anapher
  • Wiederholung des Anfangs in aufeinanderfolgenden Sätzen, Versen, Strophen zur syntaktischen Gliederung und rhetorischen Wirkung
  • Bsp.: "Wer nie sein Brot mit Tränen aß, wer nie die kummervollen Nächte auf dem Bette weinend saß" (Goethe)
Epipher
  • nachdrückliche Wiederholung eines Wortes oder einer Wortgruppe am Ende aufeinanderfolgender Sätze, Satzteile, Abschnitte oder Verse
  • Bsp.: "Ihr überrascht mich nicht, erschreckt mich nicht." (Schiller)
Symploke
  • Häufung von Anapher und Epipher; Wiederholung der gleichen Wörter am Anfang und am Ende zweier oder mehrerer aufeinanderfolgender Verse oder Sätze
  • Bsp.: "Was sich vor dem Tod so entsetzt, ist sein Bewußtsein; was sich gegen ihn wehrt, ist sein Bewußtsein; was hier stirbt, ist sein Bewußtsein."
Epanalepse
  • nicht unmittelbar aufeinanderfolgende Wiederaufnahme eines Wortes oder Satzteils innerhalb eines Verses oder Satzes
  • Bsp.: "Und atmete lang und atmete tief." (Schiller)
Gemination
  • unmittelbare Wiederholung eines Satzteils, Wortes oder Wortgruppe
  • Bsp.: "Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich." (Goethe)
Anadiplose
  • Unterform der Gemination
  • Wiederholung eines Wortes am Ende eines Satzes und am Anfang des nächsten Satzes
  • Bsp.: "Sie will hell wach bleiben, die Mutter. Die Mutter beißt mit den Zähnen in ein Konzertkleid." (Jelinek)
Epizeuxis
  • drei- oder mehrfache aufeinanderfolgende Wiederholung eines Satzteils, Wortes oder Wortgruppe
Parallelismus
  • Wiederkehr der selben Wortreihenfolge in syntaktischem Aufbau
  • Bsp.: "Denn hier wird weder die Todesfurcht durch einen religiösen Grund gebannt, noch auch wird die Todesbereitschaft durch einen religiösen Grund erklärt."
Chiasmus
  • überkreuzte syntaktische Stellung von Wörtern zweier aufeinanderbezogener Wortgruppen oder Sätze
  • Bsp.: "Horcht auf ihr Fürsten, Volk horch auf."

Figuren des Kontrasts

Antithese
  • Entgegenstellung
  • 1. als Gegenbehauptung zu einer These
  • 2. als stilistische Gegenüberstellung (Kontrastierung)
  • Bsp.: "Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang."
Klimax
  • Steigernde Reihung von Wörtern und Wortgruppen
  • Bsp.: "Es war einmal einer, der war klug. Sehr klug. Ungeheuer klug."
Antiklimax
  • Abfallende Reihung von Wörtern
  • Bsp.: Urahne, Großmutter, Mutter, Kind
Oxymoron
  • Verbindung zweier sich logisch ausschließender Begriffe, die in pointierter Absicht miteinander verbunden sind
  • Bsp.: "Schwarze Milch" (Celan); alter Knabe - Gegensatz im Beiwort; traurigfroh - addierende Zusammensetzung
Paradoxon
  • scheinbar unsinnige, widersprüchliche Behauptung, weist jedoch auf höhere Wahrheit hin
  • Bsp.: "Wer sein Leben findet, der wird es verlieren."
Katachrese
  • meist als Bild- oder Stilbruch; durch die Verwendung metaphorischer Wendungen, die nicht zusammen passen
Antimetabole
  • Zusammensetzung aus Parallelismus und Chiasmus

Wortschatzfiguren

Hyperbel
  • außerordentliche, im wörtlichen Sinne unglaubwürdige Übertreibung
  • Bsp.: eine Ewigkeit warten, blitzschnell
Pleonasmus
  • übertriebene und daher unnütze Anhäufung oder Verbindung von Wörtern gleicher oder ähnlicher Bedeutung
  • Bsp.: weißer Schimmel, schwarzer Rappen, alter Greis
Tautologie
  • Wiedergabe eines Begriffes durch zwei oder mehr Wörter gleicher Bedeutung und Wortart; meist in einer Zwillingsformel
  • Bsp.: ganz und gar, angst und bange
Litotes
  • Mittel der untertriebenen Ausdrucksweise
  • Bsp.: nicht übel (für sehr gut)

Wortspielfiguren

Paronomasie
  • Wortspiel mit Wortbedeutung durch Zusammenstellen von Wörtern:
    • 1. desselben Stammes mit bestimmter Bedeutungsverschiebung
    • Bsp.: "Wer sich auf den verläßt, der ist verlassen."
    • 2. von Wörtern mit verschiedener Herkunft und Bedeutung, aber gleicher oder ähnlicher Lautung
    • Bsp.: "...kümmert sich mehr um Krug als um Krieg."
Polyptoton
  • Wiederholung desselben Wortes in verschiedenen Flexionsformen
  • Bsp.: "Ob sich das Herz zum Herzen findet." (Schiller)
Figura Etymologica
  • Sonderfall des Polyptotons; Verbindung eines Nomens mit einem stammverwandten Verb
  • Bsp.: "Gar schöne Spiele spiel' ich mit dir." (Goethe)
Kontamination
  • Mischung von Wörtern, die aus deren Wortteilen entstehen
  • Bsp.: eigenständig aus eigenartig und selbständig
Amphibolie
  • Doppeldeutigkeit, Mehrdeutigkeit von Wörtern, Werten, Motiven, Charakteren und Sachverhalten
  • Bsp.: Er ist selten freundlich.
Anspielung
  • eine beim Hörer/Leser als bekannt vorausgesetzte Person, Sache, Situation, Begebenheit; keine direkte Benennung; Anspielung auf literarische Texte
  • Bsp.: "Kein Mensch. Nirgends." => Kein Ort. Nirgends.
Aposiopese
  • Abbrechen eines (meist wichtigen Gedankens) oder einer (meist wichtigen) Rede, um die Spannung zu steigern
  • Bsp.: "Was? Ich? Ich hätt ihn-? Unter meinen Hunden-?" (Kleist)

Syntaxfiguren

Asyndeton
  • Reihung gleichgeordneter Wörter, Wortgruppen, Sätze ohne verbindende Konjunktion
  • Bsp.: "Es muß auf unsere Fragen ein Baum, ein Vieh, ein Strauch, ein Marmor Antwort sagen." (Gryphius)
Polysyndeton
  • Reihung mehrerer gleichgeordneter Wörter, Wortgruppen, Sätze durch dieselbe Konjunktion; mind. drei
  • Bsp.: "... und es wallet und siedet und brauset und zischt." (Schiller)
Zeugma
  • Worteinsparung; Zuordnung eines Satzgliedes zu zwei syntaktisch/ semantisch verschiedenen Satzteilen
  • Bsp.: "Er warf die Zigarette in den Aschenbecher und einen Blick aus dem Fenster."
Anakoluth
  • Grammatisch nicht folgerichtige Konstruktion eines Satzes; wird stilistisch als Fehler gewertet (aber rhetorisches Kunstmittel)
  • Bsp.: "Deine Mutter glaubt nie, daß du vielleicht erwachsen bist und kannst für dich selbst aufkommen."
Prolepse
  • Voranstellung eines Substantivs, das pronomisch wieder aufgegriffen wird
  • Bsp.: "jenes höhere Wesen, das wir verehren" (Böll)
Analepse
  • Nachstellung eines Substantivs, das pronomisch vorgegriffen wurde
Ellipse
  • Weglassen von Satzgliedern, die zum Verständnis nicht unbedingt notwendig sind
  • Bsp.: "Woher so in Atem?" (Schiller)
Inversion
  • Veränderung der üblichen Wortstellung im Satz, z.B. Umkehrung der Reihenfolge von Subjekt und Prädikat, oder Abweichen von der grammatischen Ordnung, aus Gründen der Hervorhebung oder Betonung eines Wortes, durch Stellung an den Anfang oder das Ende des Satzes
  • Bsp.: Ein Eis isst Petra.

Uneigentliche Redeformen

Metapher
  • Wort mit übertragender Bedeutung, Bedeutungsübertragung, Verbildlichung eines Begriffs, verkürzter Vergleich
  • Bsp.: Mutter Natur, Vater Staat
Metonymie
  • (griech. Umbenennung) Ersetzung eines gemeinten Wortes durch ein anderes, das in einer geistigen/ sachlichen Beziehung zu ihm steht
  • Bsp.: Goethe lesen, ein Glas trinken
Synekdoche
  • Ersetzung des eigentlich gemeinten Begriffs durch einen zu seinem Bedeutungsumfeld gehörenden engeren oder weiteren Begriff:
    • 1. Teil steht für das Ganze (pars pro toto)
    • Bsp.: Dach für Haus
    • 2. Art steht für die Gattung
    • Bsp.: Brot für Nahrung
    • 3. Gattung steht für die Art
    • Bsp.: Eisen für Schwert
    • 4. Singular für Plural
    • Bsp.: Das Deutsche für das deutsche Volk
    • 5. Ganze steht für einen Teil (toto pro parte)
    • Bsp.: England gewinnt die Fußball-WM
Personifikation
  • abstrakte Begriffe, Naturerscheinungen, Tiere/leblose Dinge werden als handelnde, redende menschliche Gestalten dargestellt
  • Bsp.: die Sonne lacht
Allegorie
  • Veranschaulichung; fortgesetzte Personifikation auf einen Text oder Textabschnitt bezogen
  • Bsp.: Justitia für Gerechtigkeit
Periphrase
  • Umschreibung einer Person, einer Sache oder eines Begriffs durch kennzeichnende Tätigkeiten, Eigenschaften oder Wirkungen
  • Bsp.: "jenes höhere Wesen, das wir verehren" => für Gott
Symbol
  • Sinnbild, bei dem die Relation zwischen Sinn und Bild/ zwischen Geistigen und der Anschauung offenkundig ist; Ding-, Tier-, Pflanzen-, Farben-, Rechts-, Zahlen-, Buchstabensymbole
  • Bsp.: Schlange für das Böse; Waage für Gerechtigkeit
Chiffre
  • Wörter oder Wortverbindungen, die ihren selbstverständlichen Bedeutungsinhalt verloren haben und ihren Sinn aus der Funktion in einem vom Dichter gesetzten vieldeutigem System von Zeichen und Assoziationen erhält
  • Bsp.: "Flug" als den Aufbruch ins Unbekannte verstanden
Emblem
  • aus Bild und Text zusammengesetzte Kunstform
  • besteht 1. aus einem allegorischem Bild (Pictura, Ikon, Imago oder Symbolon) 2. einem Lemma (Titel, Überschrift, Motto, Inscriptio) 3. einem Subscriptio (nähere Beschreibung des Bildes und Wiederaufgreifen des Titels)
Anthropo-
morphisierung
  • abstrakte Begriffe, Naturerscheinungen, etc. werden nur dargestellt, sie handeln nicht
  • Bsp.: der schlaue Fluss
Synästhesie
  • Vermischung von Reizen, die unterschiedlichen Sinneswahrnehmungen oder -organen zugeordnet sind
  • Bsp.: duftige Farben; farbige Klänge
Ironie
  • Redeweise, bei der das Gegenteil des eigentlichen Wortlautes gemeint ist
  • Bsp.: "Du bist mir ja mal wieder ein ganz besonders kluges Bürschchen."
Claudio Mende
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