Bange-Verlag


Aufsatz für das 11.–13. Schuljahr. Band 2.


Fachbegriffe des Dramas


Eine Textauswahl aus dem gleichnamigen Bange-Lernhilfen-Band.

Thomas Möbius: Aufsatz für das 11.–13. Schuljahr. Band 2.
Bange Lernhilfen, Sekundarstufe II.

ISBN: 3-8044-1425-7 – © 2000



Fachbegriff Erklärung
Absurdes Drama

(zu lat. „misstönend)"

gestaltet die existentialistische Grunderfahrung der Sinnwidrigkeit menschlicher Existenz in einer sinnentleerten Welt

Autoren: Beckett, Ionesco, Genet, Sartre

Akt

(lat. „Abschnitt")

in sich einheitlicher und geschlossener Abschnitt eines > Dramas

Analytisches Drama > Drama, das Geschehnisse aus der Vergangenheit im Verlaufe der Handlung aufdeckt. Beispiele: Lessing, „Nathan der Weise", Sophokles, „König Ödipus"; Gegensatz: > Zieldrama

Aristotelisches Drama

im Gegensatz zum > epischen Theater Bezeichnung für streng gebaute, klassische Form des > Dramas; Geschlossenheit wird durch Beachtung der > drei Einheiten erreicht;

Ziel: > Katharsis

Auftritt

1. > Szene

2. Erscheinen der Schauspieler auf der Bühne

Botenbericht

dramaturgisches Hilfsmittel, um Ereignisse, deren Darstellung den Zusammenhang der Handlung gefährden oder die bühnentechnischen Voraussetzungen übersteigen würde (z.B. Seeschlachten), in Form eines
erzählenden Berichts auf die Bühne zu bringen

Charakter

(gr. „das Eingegrabene", „das Eingeprägte")

Bezeichnung für in der Dichtung vorkommende, der Wirklichkeit nachgebildete oder fingierte Figuren, die nicht bloß typisiert, sondern in ihrer Individualität dargestellt werden

Chor

(gr. „Reigentanz", „Tanzplatz", „versammelte Schar von Tänzern")

Gruppe von Personen, die durch Zusammenklang ihrer Stimmen eine Einheit bilden und die Handlung wertend, betrachtend oder (voraus-)deutend begleitet

Deus ex machina

(lat. „Gott aus der Maschine")

Bezeichnung für Figur (manchmal auch Ereignis), die überraschende Wendung in einem bis dahin unlösbar erschienenen Konflikt herbeiführt (vgl. z.B. Apotheose Jupiters im dritten Akt von Kleists „Amphitryon")

Dokumentarisches Theater

Form des politischen > Dramas der 60er Jahre, das in einer Art Reportage Material zu brisanten politischen Themen in mehr oder weniger unveränderter Form auf die Bühne bringt; Ziel: Diskussion über politische Themen anregen; Beispiel: Hochhuth, „Der Stellvertreter", Kipphardt, „In der Sache J. Robert Oppenheimer"

Drama

(gr. „Handlung")

neben Lyrik und Epik eine der drei literarischen Großformen;

wird bestimmt durch Darstellung einer meist in sich geschlossenen (> geschlossenes Drama, Gegensatz: > offenes Drama) und sich auf Monolog und Dialog stützenden Handlung, die auf einer Bühne szenisch präsentiert wird;

Handlungsstruktur zumeist bestimmt von: > Exposition,

> Peripetie, > Katastrophe; für 5-aktiges > Zieldrama gilt auch das Schema Gustav Freytags: > Exposition (1. Akt), > Steigerung durch erregende Momente (2. Akt), Höhepunkt/> Peripetie

(3. Akt), retardierende Spannungsmomente (4. Akt),

> Katastrophe (5. Akt);

Einteilung nach Dramenform in z.B. > Tragödie, > Komödie,

> Tragikomödie, > episches Theater, > Dokumentartheater,

> Lustspiel, > Schauspiel

Einteilung nach Weltanschauung in z.B. idealistisches Drama,

> absurdes Drama

Einteilung nach Epoche in z.B. klassisches Drama, naturalistisches Drama

Einteilung nach Aufbau in z.B. > analytisches Drama,

> Zieldrama

Einteilung nach sozialem Stand z.B. in bürgerliches > Trauerspiel, soziales Drama

Fachbegriff Erklärung

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Drei Einheiten

mit Bezug auf Aristoteles von frz. Klassizismus geforderter innerer Zusammenhalt des Dramas durch:

Einheit der Handlung: vollständige Handlung mit Anfang und Ende ohne Abschweifungen

Einheit des Ortes: gleich bleibender Spielort

Einheit der Zeit: 24 Stunden als Zeitvorgabe für gesamte Handlung

Entfaltungsdrama

> Zieldrama

Enthüllungsdrama

> analytisches Drama

Episches Theater

von Bertholt Brecht entwickelte Dramenform, die sich als Gegenstück zum > aristotelischen Drama versteht. Episches Theater betreibt Desillusionierung des Zuschauers (> Verfremdungseffekt), Zuschauer soll zum aktiven, kritischen Betrachter der Handlung werden;

lockerer Aufbau des Dramas meist in Form von Episoden, Verwendung von kommentierenden Songs, Schluss meist offen, um Zuschauer zum Weiterdenken zu veranlassen (z.B. Brecht, „Der gute Mensch von Sezuan"); Ziel: Zuschauer wird zur Veränderung von erkannten Missständen aufgerufen

Erregendes Moment

> Steigerung

Exposition

(lat. „Darlegung")

meist im 1. Akt stattfindende Einführung in Ort, Zeit, Personen, Ausgangssituation zur Klärung der Voraussetzungen der Handlung

Fallende Handlung

> Retardation

Fallhöhe

dramaturgischer Begriff von Batteux und später Gottsched zur Begründung der > Ständeklausel; tragische Erschütterung der Zuschauer überzeugender beim Scheitern einer Figur von hohem (meist fürstlichem) Stand; Probleme der niederen Stände (> bürgerliches Trauerspiel) entbehren tragischer Ausweglosigkeit, da sie sich meist durch menschliche Hilfe bewältigen ließen (geringere Fallhöhe)

Geschlossenes Drama

> Drama, das streng nach den > drei Einheiten aufgebaut ist (z.B. Goethe, „Iphigenie auf Tauris")

Katharsis

(gr. „Reinigung")

Begriff aus der aristotelischen Poetik: Aufgabe der Tragödie bestimmt als Erregung von Mitleid und Furcht und als Reinigung dieser Eigenschaften oder als Reinigung des Zuschauers von diesen Eigenschaften (Übersetzung umstritten)

Katastrophe

(gr. „Umkehr", „Umsturz")

Abschluss des Dramas mit Lösung des Konflikts zum Guten (> Komödie) oder zum Schlimmen (> Tragödie)

Komödie

(aus gr. „Umzug" + „Gesang")

komisches Bühnenstück, das durch Entlarvung menschlicher Unzulänglichkeiten Heiterkeit erzielt, Beispiel: Kleist, „Der zerbrochene Krug", Gegensatz > Tragödie

Lustspiel

häufig gleichbedeutend mit Komödie, will aber nicht kritisch Unzulänglichkeiten aufdecken, sondern versöhnlich stimmen; reines Lachen und Heiterkeit als Ziel

Beispiel: Lessing, „Minna von Barnhelm"

Monolog

(aus gr. „allein" + „Rede")

Selbstgespräch einer Figur, Gegensatz: Dialog (Wechselrede)

kann verschiedene Funktionen übernehmen, z.B. als

„epischer Monolog": Beschreibung nicht dargestellter oder darstellbarer Sachverhalte

„lyrischer Monolog": Selbstoffenbarung

„Reflexionsmonolog": Kommentar der Figur

„Konfliktmonolog": Verdeutlichung des inneren Entscheidungskonfliktes

Offenes Drama

> Drama, das die strenge Aufbauform des > geschlossenen Dramas missachtet, indem z.B. auf einen Handlungsschluss verzichtet wird oder die Handlung auf mehrere Spielorte verteilt wird

Peripetie

(gr. „plötzlicher Umschlag")

von Aristoteles eingeführter Begriff der Poetik, bezeichnet im

> Drama den plötzlichen Umschwung im Schicksal des Helden, findet als Höhepunkt zumeist im mittleren Akt statt, indem es auf Exposition und steigende Handlung folgt und in die fallende Handlung und schließlich in die Katastrophe mündet

Prolog

(gr. „Vorwort", „Vorspruch")

Worte vom Dichter oder von Schauspielern vor dem Beginn der eigentlichen Handlung

Regieanweisung

in den Dramentext eingefügte Bemerkungen des Dichters bezüglich Bühnenausstattung, Mimik, Gestik, Sprechtempo, Musik, Auftreten und Abtreten von Figuren

Retardation

(frz. „Verzögerung")

Handlungsverzögerung, meist im 4. Akt als Gegenstück zum > erregenden Moment mit dem Ziel einen anderen Ausgang als den in der > Peripetie angedeuteten aufzuzeigen, wirkt spannungssteigernd

Schauspiel

allgemein als Oberbegriff für Trauerspiel und Lustspiel

in engerem Sinne als Zwischenform zwischen > Trauerspiel und > Lustspiel (Beispiel: Goethe, „Iphigenie auf Tauris")

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Sekundenstil

Beschreibungstechnik vor allem des Naturalismus, die versucht Wirklichkeit möglichst genau („sekundenweise") durch Detailtreue und minutiöse Genauigkeit zu erfassen

Ständeklausel

 

Forderung vor allem der Poetik der Renaissance, nur Angehörige der höheren Stände als Figuren in der > Tragödie mitwirken zu lassen (Grund: > Fallhöhe); für den niederen bürgerlichen Stand ist > Komödie vorgesehen

Steigerung

 

Überleitung (Ende 1. Akt und 2. Akt) von der > Exposition zum > Höhepunkt; enthält Andeutungen über Verwicklung der Handlung

Szene

(gr. „hölzernes Gerüst, auf dem Schauspieler spielen")

Bühne

Bestandteil des Aktes (> Auftritt)

allgemein: Vorgang auf der Bühne

Teichoskopie

(gr. „Mauerschau")

auf der Bühne schwer oder gar nicht darstellbares Ereignis, das sich zur selben Zeit zuträgt, wird aus der Perspektive eines z.B. auf einer Mauer stehenden Beobachters wiedergegeben; vergleichbar mit dem > Botenbericht, Unterschied: Botenbericht handelt von Vergangenem

Tragödie

(gr. „Bocksgesang")

neben der Komödie wichtigste Form des Dramas, im allgemeinen Sprachgebrauch gleichbedeutend mit > Trauerspiel; Tragödie gestaltet die Unausweichlichkeit des Schicksals oder einer sittlichen Weltordnung, dem ein menschliches Leben am Ende unterliegt; Themen sind immer existentielle Grundfragen des Menschen; in der Antike besonders von Aristoteles und später in der deutschen Klassik als streng aufgebautes Drama mit > Ständeklausel, > drei Einheiten und > Katharsis gefordert

Trauerspiel

 

im allgemeinen Sprachgebrauch gleichbedeutend mit Tragödie

Bezeichnung für deutsche Form der > Tragödie, z.B. als bürgerliches Trauerspiel

Tragikomödie

dramatische Form, in der Tragik und Komik vermischt werden, um die Doppelgesichtigkeit des menschlichen Lebens und der Welt zu verdeutlichen; Beispiel: Dürrenmatt, „Der Besuch der alten Dame"

Zieldrama

> Drama, das auf > Katastrophe/Auflösung am Ende des Stücks hinzielt; Beispiele: Hauptmann, „Rose Bernd", Goethe, „Faust"

Gegensatz: > Analytisches Drama

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