Literaturanalyse

Tragödie und Komödie

TRAGÖDIEKOMÖDIE

HISTORISCHER ÜBERBLICK

  • griech.: tragiké = Kunst des Trauerspiels

griechische (attische) Tragödie

  • Urform
  • Anfänge im Dionysoskult (8. Jh. v.u.Z.)
  • Dithyrambus als chorische Aufführung zu Ehren Dionysos (Preislied)
  • Tanzspiele mit magischem Charakter (Widerfahrnisse des Gottes)
  • später: Bindung an festen poetischen Text
  • inhaltlicher Wandel: epische Stoffe

klassische Tragödie (5. Jh. v.u.Z..)

  • in sich abgeschlossenes Stück der Heldensage
  • attischer Bürgerchor, 2-3 Schauspieler
  • Teil des öffentlichen Gottesdienstes des Dionysos
  • Stoffe: epische Tradition (Heroenmythos)

römische Tragödie

  • durch Senatsbeschluß eingeführt
  • formale Abhängigkeit vom antiken Vorbild
  • tragischer Stoff (Konflikt) im Mittelpunkt
  • ludi graeci

neuzeitliche Tragödie

  • setzt mit Humanismus ein
  • formale Abhängigkeit vom antiken Vorbild
  • Höhepunkt im barocken Trauerspiel
  • Schicksalsdrama
  • griech.: komos = festlich, ausgelassener Umzug; öidé = Gesang
  • seit 486 v.u.Z. zu Ehren Dionysos

1. Antike

  • alte attische Komödie
    • satirisch, aktuelle Personen- und Zeitkritik
  • mittlere attische Komödie (400 - 320 v.u.Z.)
    • ironische Skepsis
  • neue attische Komödie (3. - 2. Jh. v.u.Z.)
    • lustspielhafte Sitten- und Charakterkomödie

2. Mittelalter

  • Fastnachtspiel, Posse, Schwank

3. unterschiedliche Entwicklungen in Europa

  • Italien: comedia dell'arte
  • England: romantische Komödie
  • Spanien: Situationskomödie (de Vega, Calderon)
  • Frankreich: Motiv- und Charakterkomödie (Moliere)
  • ab Aufklärung gesamteuropäische Entwicklung
  • Wiederbelebung der attischen und römischen Komödie im 18. Jh.
  • erste große deutsche Komödiendichter: Lessing (Minna von Barnhelm)
  • 19. Jh. Gesellschafts- und Konversationskomödie
  • soziale Komödie: Hauptmann

MERKMALE

  • das unschuldige Schuldigwerden (Ödipus) + Selbstüberschätzung (Hybris) [antike T.]
  • Wirkung: durch Katastrophe - Furcht und Mitleid => Erleben der Katharsis

  • meist glücklicher oder versöhnlicher Handlungsausgang
  • Bereich des Alltäglichen
  • Tendenz zu stereotypen Handlungsstrukturen und Typisierung
  • Wirkung: Spott, Gelächter; Kritik, Toleranz
  • Widerspruch zw. erhabenen Ideal und niedriger Wirklichkeit bewirkt Lachen


UNTERSCHEIDUNGSKRITERIEN


Ständeklausel/ sozialer Stand

  • tragisches Erlebnis nur Personen höheren Standes; Zweck der Fallhöhe
  • nur bürgerlicher Stand darf menschliche Schwächen der Lächerlichkeit preisgeben

moralische Qualität

  • höchstmöglicher Anspruch (moralische Perfektion bis auf ein Element => Hammarthia)
  • kleine Fehler

Redestil

  • genus grande = hoher Stil (Adlige, Edle), würdevoll, gehoben, exakt, treffsicher
  • genus humile = niederer Stil (alle anderen Schichten)

Historizität

  • Geschichte, Mythos
  • freie Erfindung

Stoff

  • Historie (außergewöhnliche Ereignisse), Mythologisches
  • frei erfunden (Liebe, kleine Gangstereien)
  • Bereich des Alltäglichen

Dramenausgang

  • Untergang der Helden; Katastrophe
  • Lösung des Konflikts

KATHARSISPROBLEM (Lachen und Weinen; nach Aristoteles)

Claudio Mende
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