Bange-Verlag


Aufsatz für das 7.–8. Schuljahr.



Inhaltsangaben von Balladen


Eine Textauswahl aus dem gleichnamigen Bange-Lernhilfen-Band.

Thomas Brand:
Aufsatz für das 7.–8. Schuljahr.
Bange Lernhilfen, Sekundarstufe I.

ISBN: 3-8044-1422-2 – © 2000


Im Deutschunterricht wird die Inhaltsangabe oft anhand von Balladen geübt. Manchem mag das schwerer erscheinen, weil sich ein Gedicht durch die Sprache, den besonderen Rhythmus und den Reim vielleicht etwas komplizierter liest als eine Geschichte. Auf der anderen Seite ist die Gliederung, die man bei einer Kurzgeschichte oft erst mühsam herausfinden muss, bei einer Ballade schon durch die Strophen vorgegeben. Balladen enthalten eine vollständige Geschichte und zumeist auch wörtliche Rede, die für die Inhaltsangabe umgewandelt werden muss. Und wenn ein ,lyrisches Ich` der Sprecher ist, muss in der Inhaltsangabe dieses Ich natürlich umgewandelt werden in die dritte Person.
Die folgende Ballade ist dir vermutlich aus dem Unterricht schon bekannt:



Johann Wolfgang von Goethe


Der Zauberlehrling



Hat der alte Hexenmeister

Sich doch einmal wegbegeben!

Und nun sollen seine Geister

Auch nach meinem Willen leben.

Seine Wort' und Werke

Merkt' ich und den Brauch,

Und mit Geistesstärke

Tu' ich Wunder auch.

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Walle! walle

Manche Strecke,

Dass zum Zwecke

Wasser fließe,

Und mit reichem, vollem Schwalle

Zu dem Bade sich ergieße!


Und nun komm, du alter Besen!

Nimm die schlechten Lumpenhüllen!

Bist schon lange Knecht gewesen;

Nun erfülle meinen Willen!

Auf zwei Beinen stehe,

Oben sei ein Kopf,

Eile nun und gehe

Mit dem Wassertopf.


Walle! walle

Manche Strecke,

Dass zum Zwecke

Wasser fließe,

Und mit reichem, vollem Schwalle

Zu dem Bade sich ergieße!

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Seht, er läuft zum Ufer nieder;

Wahrlich! ist schon an dem Flusse,

Und mit Blitzesschnelle wieder

Ist er hier mit raschem Gusse.

Schon zum zweiten Male!

Wie das Becken schwillt!

Wie sich jede Schale

Voll mit Wasser füllt!


Stehe! stehe!

Denn wir haben

Deiner Gaben

Vollgemessen! – Ach, ich merk' es!

Wehe! wehe!

Hab' ich doch das Wort vergessen!

Ach, das Wort, worauf am Ende

Er das wird, was er gewesen.

Ach, er läuft und bringt behände!

Wärst du doch der alte Besen!

Immer neue Güsse

Bringt er schnell herein,

Ach! und hundert Flüsse

Stürzen auf mich ein.


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Nein, nicht länger

Kann ich's lassen;

Will ihn fassen.

Das ist Tücke!

Ach! nun wird mir immer bänger!

Welche Miene! welche Blicke!


O, du Ausgeburt der Hölle!

Soll das ganze Haus ersaufen?

Seh' ich über jede Schwelle

Doch schon Wasserströme laufen.

Ein verruchter Besen.

Der nicht hören will!

Stock, der du gewesen,

Steh doch wieder still!



Willst's am Ende

Gar nicht lassen?

Will dich fassen,

Will dich halten,

Und das alte Holz behände

Mit dem scharfen Beile spalten.

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Seht, da kommt er schleppend wieder!

Wie ich mich nun auf dich werfe,

Gleich, o Kobold, liegst du nieder;

Krachend trifft die glatte Schärfe!

Wahrlich, brav getroffen!

Seht, er ist entzwei!

Und nun kann ich hoffen,

Und ich atme frei!



Wehe! wehe!

Beide Teile

Stehn in Eile

Schon als Knechte

Völlig fertig in die Höhe!

Helft mir, ach! ihr hohen Mächte!

Und sie laufen! Nass und nässer

Wird's im Saal und auf den Stufen.

Welch entsetzliches Gewässer!

Herr und Meister! hör' mich rufen! _

Ach, da kommt der Meister!

Herr, die Not ist groß!

Die ich rief, die Geister,

Werd' ich nun nicht los.

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„In die Ecke,

Besen! Besen!

Seid's gewesen!

Denn als Geister

Ruft euch nur zu seinem Zwecke

Erst hervor der alte Meister.


Lies folgenden Versuch einer Inhaltsangabe zum „Zauberlehrling":

Als der Hexenmeister fortgegangen ist, möchte sich der neugierige Lehrling auch einmal im Zaubern versuchen. Er traut sich das zu, denn er hat sich alle Lehren des Meisters gemerkt und weiß, worauf es bei der Zauberei ankommt. Mit einem Spruch verzaubert er einen alten Besen, den er zu seinem persönlichen Knecht machen will. Er will nämlich auch einmal Macht über einen Gegenstand oder über eine Person besitzen. Er befiehlt ihm,Wasser zu holen, und der Besen geht tatsächlich los und schafft vom Fluss Wasser herbei. Klar, dass der Junge begeistert ist. Doch schon bald wird es ihm zu viel, denn was soll er schon mit dem ganzen Wasser anfangen? Er wollte ja nur einmal einen Versuch machen. Da merkt er, dass er dummerweise das Wort vergessen hat, mit dem er den Knecht wieder in einen Besen zurückverzaubern kann. Der bringt inzwischen immer neue Krüge mit Wasser herbei und setzt allmählich die ganze Wohnung unter Wasser. Was würde der Meister sagen, wenn er wieder da wäre? Die Verzweiflung des Jungen wächst, er flucht und beschließt, den Besen entzweizu-schlagen. Doch hat er damit nicht das Problem gelöst, denn jetzt hat er zwei Knechte, die Wasser holen, und nicht einen.Als er sich in seiner Verzweiflung schon gar nicht mehr zu helfen weiß, kommt glücklicherweise der Meister zurück und verzaubert beide Besen in ihren ursprünglichen Zustand zurück. Der Zauberlehrling soll daraus lernen, dass er keine Dinge tun soll, für die er noch nicht ausgebildet ist.


Übung 37
Verbessere diese Inhaltsangabe nach den dir bekannten Maßstäben und schreibe sie neu.



Übung 38
Merkt man an der Inhaltsangabe, ob es sich um ein Gedicht handelt?


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Lösungen


Übung 37
Als der Hexenmeister fortgegangen ist, möchte sich sein Lehrling einmal selbst im Zaubern versuchen. Er traut sich das zu, denn er hat sich alle Lehren des Meisters gemerkt und weiß, worauf es bei der Zauberei ankommt.Mit einem Spruch verzaubert einen alten Besen, den er zu seinem persönlichen Knecht machen will. Er befiehlt ihm, Wasser zu holen, und der Besen geht tatsächlich los und schafft vom Fluss Wasser herbei. Der Junge ist begeistert, doch schon bald wird es ihm zu viel.
Er möchte den Versuch beenden, da merkt er, dass er das Wort vergessen hat, mit dem er den Besen wieder zurückverwandeln kann. Der bringt inzwischen immer neue Krüge herbei und setzt allmählich das ganze Haus unter Wasser. Die Verzweiflung des Jungen wächst, er flucht und beschließt, den Besen entzweizuschlagen.
Doch hat er damit das Problem nur verdoppelt, denn er hat jetzt zwei Wasser holende Knechte. Als er sich in seiner Verzweiflung schon gar nicht mehr zu hel-fen weiß, kommt der Meister zurück und verwandelt beide Besen in den ursprünglichen Zustand zurück.
Der Zauberlehrling soll daraus lernen, dass er keine Dinge tun soll, für die er noch nicht ausgebildet ist.



Übung 38
Nein, das ist Aufgabe des Einleitungssatzes, etwa: In der Ballade „Der Zauberlehrling" von Johann Wolfgang von Goethe geht es um einen Lehrling, der sich aus Neugier und Machtlust über die Anweisungen des Meisters hinwegsetzt und dabei selbst eine Lehre erteilt bekommt.

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